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consilium - DER PÄDIATRIE-PODCAST - Folge #12 - 17.06.2022

 

consilium – der Pädiatrie-Podcast

mit Dr. Axel Enninger

consilium Podcast mit Dr. Axel Enninger

 

Wenn’s im Halse steckenbleibt – Ingestionen

 

Axel Enninger: Heute spreche ich mit DR. MARTIN LAAß

 


DR. AXEL ENNINGER…

… ist Kinder- und Jugendarzt aus Überzeugung und mit Leib und Seele. Er ist ärztlicher Direktor der Allgemeinen und Speziellen Pädiatrie am Klinikum Stuttgart, besser bekannt als das Olgahospital – in Stuttgart „das Olgäle“ genannt.

Axel Enninger: Herzlich willkommen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, zu einer neuen Folge von consilium, dem Pädiatrie-Podcast. Heute reden wir über verschluckte Fremdkörper, Stichwort „Fremdkörperingestion“. Also wir reden nicht über Aspiration, sondern über Ingestion. Und mein Gesprächspartner dazu ist Dr. Martin Laaß. Er ist Oberarzt an der Universitäts-Kinderklinik in Dresden und Kinder-Gastroenterologe – und ein erfahrener Kinder-Gastroenterologe! Der Mann kennt sich aus. Herzlich willkommen, Martin.

Martin Laaß: Hallo, Axel. Große Freude, große Ehre, dass ich hier dabei sein darf!

Axel Enninger: Martin, wir reden über Dinge, die Kinder so gerne verschlucken. Und grundsätzlich gibt es ja das Sprichwort „Was oben reingeht, kommt unten auch wieder heraus.“ Das heißt, bei den allermeisten Dingen müssen wir uns ja eigentlich gar keine Sorgen machen. Aber manchmal müssen wir uns vielleicht doch Sorgen machen. Gibt es so Dinge, über die wir uns Sorgen machen, wenn es eben nicht nur eine Murmel ist zum Beispiel?

Martin Laaß: Ja, klar. Du hast es ja schon gesagt, dass Kinder sehr oft Dinge verschlucken und nur ein Teil dieser ganzen Fremdkörperingestionen kommt überhaupt zu uns in die Klinik. Wahrscheinlich ist es ein geringer Prozentsatz. Und von denen wiederum, die in die Klinik kommen, ist es auch nur ein gewisser Prozentsatz, bei dem wir uns Gedanken machen, wie du schon sagst. Bei den Dingen, bei denen wir uns Gedanken machen, da steht natürlich die Knopfzelle ganz oben und Magneten – diese Powermagneten sind es. Es sind Nahrungsmittel-Boli, das heißt, wenn da irgendetwas in der Speiseröhre steckenbleibt. Und es sind sogenannte scharfe, gefährliche, spitze Gegenstände wie Rasierklingen oder so etwas.

Axel Enninger: Also scharf und spitzig ist ja sozusagen immer das Erste. Typischerweise eine Stecknadel, eine Sicherheitsnadel, irgend so etwas, was ein Kind sich in den Mund gesteckt hat oder im Mund hat, sich dann erschrickt und es dann verschluckt. Da haben wir alle im Medizinstudium gelernt, dass unser Magen-Darm-Trakt erstaunlich gut in der Lage ist, auch spitze Dinge durch unseren Magen-Darm-Trakt hindurchzutransportieren, ohne dass irgendetwas passiert. Wie ist denn das mit spitzigen Dingen wie einer Nähnadel?

 

Eine Nähnadel hätten wir vor 10 Jahren noch herausgeholt

Martin Laaß: Würden wir nicht unbedingt rausholen, weil die ja meistens mit diesem Knopf, also mit diesem etwas schwereren Teil voran, durch den Magen-Darm-Trakt hindurchgeht und eigentlich nichts macht. Vielleicht hätten wir das vor zehn Jahren noch herausgeholt. Wir sind da – und die ganze Society ist das, glaube ich – auch ein bisschen toleranter geworden. Wir holen viel weniger Fremdkörper heraus, weil wir wissen, das geht durch. Genau. Also eine einfache Nähnadel oder einen Nagel beispielsweise oder auch einen langen Schlüssel oder eine Haarspange, die geschlossen ist, würden wir auch nicht herausholen. Aus dem Magen, wie gesagt, aus dem Magen.

Axel Enninger: Okay, was sind denn so die Topscorer, sag ich mal, was sind denn die Highscore-Gegenstände, die dazu führen, dass die Kinder bei uns vorgestellt werden?

Martin Laaß: Also das häufigste, wir haben das mal ausgewertet 2017 für die DGKJ-Tagung und hatten über 500 Fremdkörperingestionen, die sich bei uns in der Klinik vorgestellt hatten – das häufigste waren wirklich Münzen. Ein Fünftel aller Gegenstände sind Münzen, dann kommen steckengebliebene Nahrungsmittel, dann kommen schon Batterien und dann kommen alle möglichen anderen Gegenstände, die Kinder so in ihrer Neugier in den Mund nehmen oder auch, in seltenen Fällen, in suizidaler oder selbstschädigender Absicht. Aber das ist wahrscheinlich eine extra Patientengruppe.

Axel Enninger: Okay, also Münzen sind die Nummer 1. Da kann man ja sagen, dass das Thema bargeldloses Zahlen auch einen Beitrag zur Kindersicherheit darstellt. Es sei denn, die Münzen liegen jetzt alle zu Hause herum und die Kinder kriegen sie zum Spielen angeboten. Also Nummer-1-Nachricht für zuhause: Kindern Münzen zum Spielen zu geben ist nur eine mittelgute Idee, oder?

 

Drei Fragen: Was? Wie alt? Wo?

Martin Laaß: Ja, aber das Gute wiederum bei Münzen ist, sie gehen eigentlich auch problemlos durch, es sei denn, sie stecken in der Speiseröhre. Das ist dann natürlich die nächste Frage: Wo stecken die Münzen? Also das eine ist: Was hat das Kind verschluckt? Das Nächste ist: Wie alt ist das Kind und was vermuten wir, wo der Gegenstand steckt? Bei unserer Auswertung, die wir damals gemacht haben, war etwa die Hälfte in der Speiseröhre und die Hälfte im Magen. Oder 1/3 in der Speiseröhre, 1/3 im Magen und 1/3 war entweder schon weiter oder war vielleicht am Ende auch gar nicht verschluckt worden. Damit kann man das Thema Münzen vielleicht auch abhaken. Münzen gehen, wenn sie im Magen sind, eigentlich fast immer durch. Wenn sie in der Speiseröhre sind, sollte man sie entweder als ‚emergent‘ oder als ‚urgent‘ behandeln. Aus dem Magen würden wir aber eigentlich keine Münze herausholen, nicht einmal eine 2-€-Münze, die ja, wenn man sie ausmisst, 26 Millimeter groß ist. Und es gibt Richtlinien zur Größe, darauf kommen wir vielleicht auch noch einmal kurz: Was geht eigentlich durch oder was verlässt den Magen nicht, oder das Duodenum. Da gibt es in den verschiedenen Richtlinien Größenangaben: Alles, was über 2,5 cm ist, verlässt den Magen nicht. Das kann ich schon mal sagen, das stimmt nicht. Die 2-€-Münzen gehen eigentlich alle aus dem Magen wieder heraus und die sind ja 2,6 cm im Durchmesser. Und dann gibt es noch Längenangaben von fünf, sechs Zentimetern. Aber dafür gibt es keine starke Evidenz, welche Länge man wirklich dort als gefährlich ansieht.

Axel Enninger: Okay. Die wichtige Frage, die wir uns ja vorneweg immer stellen müssen, ist: Wo steckt es denn? Alles, was im Magen ist, ist mit ein paar Ausnahmen – dazu kommen wir gleich – ja erst einmal harmlos. Aber blöd wird es ja, wenn der Fremdkörper in der Speiseröhre steckt. Und da achte ich worauf? Bzw. was frage ich die Eltern, wenn ich differenzieren will, dazwischen ob es in der Speiseröhre steckt oder schon im Magen?

 

Speiseröhrentypisch: Speicheln, Schluckbeschwerden, Nahrungsverweigerung, Erbrechen

Martin Laaß: Genau. Die Klinik – jetzt sind wir bei den Basics – die Anamnese und die Klinik sind ganz wichtig. Was hat das Kind für Symptome? Ein klassisches Fremdkörpersymptom, wenn etwas in der Speiseröhre relativ weit oben steckt – da gibt es ja diese drei Engstellen in der Speiseröhre, die obere, mittlere und untere – ist Speicheln. Dieses Speicheln ist also… Wenn ein Kind mit Speicheln angekündigt wird, dann rufe ich den Anästhesisten schon an. Da brauche ich gar nicht groß Diagnostik, da weiß ich schon, es steckt oben irgendetwas fest. Schluckbeschwerden sind etwas anderes. Klar, wenn jemand jetzt Blut spuckt, das ist schon ein Zeichen, möglicherweise, einer Komplikation. Das ist auf jeden Fall ein beunruhigendes Symptom. Erbrechen oder auch Nahrungsverweigerung. Aber es muss, wie gesagt, eine Münze, die an der unteren Ösophagus-Enge hängt, die muss auch gar keine Symptome machen. Die meisten Fremdkörper machen am Ende keine Symptome.

Axel Enninger: Das ist ja tatsächlich auch die allerhäufigste Geschichte. Die Eltern berichten etwas. Entweder sie haben es gesehen, dass irgendetwas im Mund war und auf einmal war es weg. Aber die viel häufigere Geschichte ist ja eigentlich, sie denken, da könnte etwas sein, oder sie denken, ihr Kind könnte XY verschluckt haben und vor einem sitzt ein puppenlustiges Kindergartenkind, das nur ein bisschen genervt ist, weil es im Krankenhaus ist. Deswegen lass uns doch mal versuchen, es ein bisschen aufzudröseln anhand von fiktiven Fällen. Wenn wir mal das Thema „unbeobachtete Ingestion“ nehmen. Also da ist etwas, wo wir nicht wissen, was los ist, aber der Patient ist symptomatisch. Also er zeigt das, was du vorhin gesagt hast, was hinweisend auf einen Fremdkörper in der Speiseröhre ist: Speicheln, Nahrungsverweigerungen, Erbrechen. Das sind alles Dinge, die einen nicht so richtig beruhigen. Dann mache ich mich auf die Suche. Und wie mache ich das?

Martin Laaß: Ich würde als Erstes natürlich, wenn man es nicht beobachtet hat – und das ist ja bei der Hälfte der Fremdkörper auch der Fall, deswegen sollte unsere Alertness sehr hoch sein – dass dieses Kind bei bestimmten Symptomen etwas verschluckt haben könnte: In dem Falle würde ich ein Röntgenbild machen. Ich weiß natürlich nicht, ob es ein röntgendichter Fremdkörper ist, aber ich würde ein Röntgenbild machen, ein sogenanntes Fremdkörperröntgen. Wir haben bei uns in der Kinder-Radiologie eine feste Anmeldung. Wenn ich darauf etwas sehe, dann weiß ich es. Wenn ich da nichts sehe und trotzdem den Verdacht habe – das kann ja, wie gesagt, ein Stück Wienerwurst sein – würde ich am Ende im Zweifel, je nach Symptomatik, wenn das Kind wirklich speichelt, und ich sehe im Röntgen nichts, würde ich trotzdem endoskopieren.

Axel Enninger: Okay, aber euer Standard-Fremdkörperröntgen heißt konkret, ihr blendet oben weiter auf, unten weiter auf als bei einem normalen Thorax. Wie weit blendet ihr auf?

Martin Laaß: Genau, das ist ein extrem wichtiger Punkt. In diesen Leitlinien, die habe ich mir natürlich noch einmal angeguckt, es gibt ja Leitlinien – die können wir dann vielleicht auch noch mal irgendwo…

Axel Enninger: Verlinken wir in die Shownotes. Die können die Zuhörerinnen und Zuhörer dort nachlesen, die verlinken wir einfach. Das ist überhaupt kein Problem.

Martin Laaß: Okay, ich muss ein bisschen lachen über dieses „Verlinken in den Shownotes“. Das höre ich jetzt als Podcast-Junkie ziemlich oft. Vor einem Jahr hätte ich bei diesen Worten „Verlinken in den Shownotes“ nicht gewusst, was das ist. [Schmunzeln beide.]

Axel Enninger: Aber mittlerweile. So gehst du mit der Zeit, Martin, und ich auch.

 

Praktikabel: Röntgen vom Unterkiefer bis zum Beckenkamm

Martin Laaß: Ja, ja. Ansonsten denke ich bei Verlinken ja immer an meine Modelleisenbahn als Kind, weißt du, wenn ich da an die Lok noch einen Waggon verlinkt habe, na egal. Okay, also ich glaube, das ist wichtig. In diesen Leitlinien, den amerikanischen oder auch von der ESPGHAN (European Society of Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition), da steht dann meistens drin, man soll Thorax röntgen, man soll Abdomen röntgen und man soll ‚neck‘, also den Hals, mitröntgen. Das finde ich schon wieder ein bisschen unkonkret. Ich mag allgemein, auch bei SOPs, Dinge, wo ich ganz genau weiß, wie ich es mache. Wir machen es ganz klar so: Wir machen untere Zahnreihe, also ist da der Unterkiefer mit drauf, bis zum Beckenkamm. Wir machen jetzt nicht das ganze Abdomen, denn wenn es irgendwo im kleinen Becken ist, dann halten wir das für nicht so relevant. Wir wollen natürlich – das ist auch ein wichtiger Punkt, auf den wir vielleicht bei den Dos and Don’ts kommen – unnötige Röntgenaufnahmen oder unnötige Strahlung vermeiden. Deswegen machen wir es einfach bis zum Beckenkamm. Noch ein Punkt, der ist ganz wichtig ist: Manchmal kommen Kinder mit einer Abdomenaufnahme. Da sieht man dann nichts und dann heißt es: ‚Naja, ihr habt den Thorax vergessen‘, wenn sie z. B. von auswärts kommen. Wenn wir dann ein Thoraxröntgen hinterher machten, könnte es ja sein, dass die Batterie schon wieder aus der Speiseröhre heruntergerutscht ist. Also das sollte man als eine Aufnahme machen, zumindest zur gleichen Zeit. Wir machen eine Aufnahme. Es gibt ein neues Positionspapier der ESPGHAN von 2021 zu Batterien. Sie empfehlen zwei Ebenen und gegebenenfalls auch CT-Aufnahmen. Das machen wir übrigens nicht. Wir machen erst einmal einfach plein Thoraxröntgen. Das reicht in der Regel auch.

Axel Enninger: Okay, genau. Wobei plein Thoraxröntgen mit aufblenden nach oben…

Martin Laaß: Genau. Fremdkörperröntgen.

Axel Enninger: Genau. Wir blenden nach oben und wir blenden nach unten auf. Und das tun wir ja, weil der Patient symptomatisch ist. Dann würdest du – oder hattest du vorhin schon gesagt – wenn er weiter symptomatisch bleibt, würdest du denken, da müssen wir sicher gehen und endoskopieren. Jetzt ist aber ja das wahre Leben häufig so: Da kommt einer, der hat Symptome, dann dauert das alles ein bisschen, bis der untersucht ist, bis er befragt ist, bis er im Röntgen war, bis er aus dem Röntgen wieder zurück ist. Dann ist er also vom Röntgen zurück und dann hat er nix mehr. Das ist ja, sage ich mal, nicht ganz selten so.

Martin Laaß: Ja.

Axel Enninger: Entweder war da kein Fremdkörper oder der Fremdkörper ist vielleicht weitergerutscht. Wie machst du das denn? Dann sagst du: ‚Na ja, jetzt habe ich schon alles organisiert und jetzt machen wir doch die Endoskopie‘, oder wie verhältst du dich bei einem, der primär symptomatisch war und dann aber asymptomatisch geworden ist?

Martin Laaß: Wenn auf dem Röntgenbild, sagst du, nichts zu sehen ist?

Axel Enninger: Es ist nichts zu sehen.

Martin Laaß: Die Klinik führt einfach. So würde ich es sagen, ganz klar. Ich würde dann nichts machen. Ich würde ihn vielleicht sicherheitshalber noch beobachten. Es kommt ein bisschen drauf an, wie alt das Kind ist. Ist das ein Jugendlicher, mit dem man reden kann? Es gibt ja manchmal Bolus-Ereignisse oder es gibt auch Kinder, die hatten mal etwas oben stecken und haben noch eine Ewigkeit danach – das kann übrigens Monate gehen, das ist ziemlich interessant – dann noch Schluckbeschwerden und dann endoskopieren wir sie und sehen am Ende nichts. Also es ist einfach eine sehr empfindliche Region, die extrem enerviert ist, der Rachen dort im Bereich der Epiglottis.

Axel Enninger: Also wir halten nochmal fest: Symptomatik mit Speicheln und Würgen. Wir denken, da ist ein Fremdkörper in der Speiseröhre. Wir sehen im Röntgen, aufgeblendet Zahnreihe – Beckenkamm, nichts und der Patient bleibt symptomatisch, dann endoskopieren wir. Der Patient ist zwischenzeitlich asymptomatisch geworden, dann lassen wir ihn in Ruhe und warten ab, oder?

 

Voroperationen und Vorerkrankungen erfragen

Martin Laaß: Ja, so würde ich es machen. Es kommt vielleicht noch ein bisschen drauf an. Bei der Anamnese, da haben wir ja ein bisschen Symptome besprochen. Aber ein wichtiger Punkt, den man am Anfang unbedingt mit fragen muss, ist: ‚Gibt es Voroperationen oder gibt es irgendwelche Vorerkrankungen?‘ Also wenn zum Beispiel ein Kind angekündigt ist mit einer Ösophagus-Atresie – und den Fall haben wir doch relativ häufig – der kann plötzlich nicht mehr schlucken, dann ist ganz klar, da steckt etwas im Bereich der Anastomose. Und da würde ich vielleicht, auch wenn es ihm ein bisschen besser geht, gegebenenfalls sogar reingucken. Aber das ist ein so ein Spezialfall.

 

Röntgenbild vom gleichen Objekt kann helfen

Axel Enninger: Genau. Also das würde man sicher denken. Oder einer, der schon mal eine eosinophile Ösophagitis hatte, der vielleicht aus der Therapie heraus ist und wo man denkt: ‚Upps, der könnte ja doch eine Motilitätsstörung des Ösophagus haben.‘ Solche Spezialkinder würde man sicher frühzeitiger endoskopieren als Kinder ohne Vorerkrankungen. Wenn wir jetzt… zu dem Röntgen noch mal: Manchmal ist es ja so, dass Eltern auch Dinge mitbringen und sagen: ‚So’n Ding hat er verschluckt.‘ Also der Klassiker zum Beispiel Chip aus dem Einkaufswagen oder Legosteine oder Playmobilsteine oder irgend so etwas. Wir machen das ja dann oft so, wenn wir nicht so ganz sicher sind, ist das jetzt röntgendicht oder nicht, dass unsere MTAs erst einmal das Objekt selber röntgen, um zu gucken, würden wir das denn in der Übersichtsaufnahme finden. Macht ihr das auch?

Martin Laaß: Ja, machen wir auch. Ist an sich eine gute Idee – aber! Die ganze Medizin ist voll von ‚Abers‘, weißt du. Aber man muss wissen, dass ein Fremdkörper, den man so röntgt – ohne was – und man sieht ihn auf dem Röntgen, den muss man im Kind dann wiederum nicht sehen, weil der ja von Weichteilen umgeben ist. Also das ist auch der Fall, wenn sie nur schwach röntgendicht sind. Da muss man zum Teil extrem genau hingucken. Manchmal sieht man sie so schattenhaft. Es ist eine gute Idee, aber man muss wissen, es ist nicht hundertprozentig.

 

Keine Verzögerung bei Knopfzellen: immer ein absoluter Notfall

Axel Enninger: Jetzt haben wir vorhin gesagt, dass Fremdkörper, von denen wir denken, dass sie im Magen sind – Kind ist klinisch asymptomatisch – dass wir die erst einmal da lassen. Aber es gibt Ausnahmen und über die Ausnahmen müssen wir reden, oder? Du hast vorhin schon die Knopfbatterien angesprochen. Darüber müssen wir, glaube ich, ausführlicher reden, denn das ist ja etwas, wenn man da zu langsam ist, kann es üble Folgen haben. Ring frei für deine Ausführungen zum Thema Knopfbatterien.

Martin Laaß: Gut, aber das ist jetzt nicht nur Magen. Genau. Also es gibt ein paar Sonderfälle bei Fremdkörpern, das hatten wir ja am Anfang schon kurz gesagt. Das sind diese Knopfzellen, das sind Magnete und das sind Nahrungsmittel-Boli. Knopfzellen sind sicherlich das, was am gefährlichsten ist. Eine verschluckte Knopfzelle ist immer ein absoluter Notfall und die Kinder sollen so schnell wie möglich in die Klinik kommen. Auch hier würde man versuchen, so schnell wie möglich die Lokalisation zu bestimmen. Manchmal, wenn die Kinder speicheln, dann ist schon klar, wo das steckt. Es steckt dann meistens in dieser oberen Ösophagus-Enge. Da sagen die Leitlinien, dass man eine Batterie dort oben innerhalb von zwei Stunden entfernen soll. Diese Angabe ist nicht ganz gut. Ich würde nicht sagen, man soll es innerhalb von zwei Stunden entfernen, sondern einfach so schnell wie möglich. Wenn es geht, sogar noch eher. Was natürlich in der Praxis oft nicht möglich ist, bis die Kinder in der Klinik oder die Eltern dann hier sind… Da sollte es keine Verzögerung geben. Da würde ich, wenn es angekündigt ist, schon den Anästhesisten bei uns anrufen, gegebenenfalls auch den HNO-Arzt und so schnell wie möglich röntgen und verifizieren, wo die Batterie ist. Genau.

Axel Enninger: Die Knopfzelle ist wirklich ‚high urgency‘. Also da geht es echt um die Zeit. Da könnten wir eines kurz allen empfehlen, die das so noch nicht gesehen haben: Es gibt auf YouTube jede Menge Videos, wo man zum Beispiel eine Knopfzelle zwischen zwei Schnitzel gelegt hat und man nach 5 Minuten, nach 10 Minuten, nach 20 Minuten sehen kann, was für Nekrosen entstehen. Wenn man das einmal gesehen hat, weiß man, warum man bei den Knopfzellen Gas geben muss.

 

Geschwindigkeit hilft, extreme Komplikationen zu vermeiden

Martin Laaß: Also, das ist extrem wichtig, diese Knopfzellen, die entladen sich, und selbst Knopfzellen, die eigentlich im Haushalt nicht mehr funktionieren, die man schon herausgenommen hat. Dann sagen manchmal die Eltern: ‚Na ja, aber die ist ja leer.‘ Aber was für den Haushalt sozusagen leer ist, das reicht immer noch dicke aus, um die Speiseröhrenschleimhaut zu schädigen oder auch zu perforieren. Wovor wir dabei Angst haben, das sind diese extremen Komplikationen. In der Mitte der Speiseröhre geht die Aorta entlang, da ist die mittlere Enge. Davor haben wir große Angst, dass das perforiert wird und das Kind verblutet. Und wenn es oben steckt, da ist die Trachea davor, vor der Speiseröhre. Da haben wir Angst, dass eine Fistel entsteht zwischen Ösophagus und Trachea. Also, wir stellen uns das Röntgenbild vor. Wenn wir auf diesem Röntgenbild, also von der oberen Zahnreihe bis zum Beckenkamm, die Batterie über den Klavikeln sehen… Man kann ja im Röntgenbild, wenn man genau hinguckt, auch die Luftröhre sehen, die sich ein bisschen verengt, dort in der Stimmlippen-Ebene. Dann weiß man auch, wo der Kehlkopf ist. Die Batterie in der oberen Ösophagus-Enge sieht man über den Klavikeln. Dann denkt man oft: ‚Na ja, das kann ja der Anästhesist schon herausholen beim Intubieren‘. Aber das steckt dort oben drin.

Axel Enninger: Es ist trotzdem natürlich der Grund, warum du vorhin schon gesagt hast, du würdest auch dem HNO-Arzt schon Bescheid sagen. Es ist ja nicht ganz selten so, dass der HNO-Arzt da oben besser rankommt mit seinem Instrumentarium als wir mit unseren Endoskopen.

Martin Laaß: Das ist gelegentlich so. Das europäische Positionspapier empfiehlt sogar, dass man, wenn es da oben steckt, primär die HNO-Leute ranlässt, weil sie halt ein starres Instrumentarium haben, was die meisten von uns ja nicht haben. Ich mache das trotzdem erst einmal, also das geht. Es gibt ganz selten – ich glaube, wir hatten es zweimal von etwa 50 Batterien – den Fall, dass ich es tatsächlich nicht herausgekriegt habe. Weil es so verbacken dort oben war, habe ich dann den HNO-Arzt gebeten, es rauszuholen mit einem starren Instrument. Einmal hatten wir auch einen Fremdkörper, den der Pulmologe starr herausgeholt hat. Also man soll immer, nebenbei, unbedingt interdisziplinär arbeiten.

Axel Enninger: Und das kann auch, wenn man das Ding herausholt, nicht ganz wenig bluten. Wenn die sich da so festmachen und dann Nekrosen entstehen, dann ist es ja nicht so ganz leicht. Es ist ja nicht so wie eine Münze aus dem Magen zu bergen, sondern so eine Knopfzelle aus der Speiseröhre – da kann man auch schon ordentlich dran ziehen müssen mit entsprechenden Blutungen und Verletzungen, die man durchaus schon beim Bergen setzen kann.

Martin Laaß: Ja, das ist extrem wichtig. Bei allem, was wir tun, müssen wir wissen, wenn wir da etwas herausziehen, oder wenn wir zum Beispiel aus dem Magen etwas herausholen und durch die Speiseröhre ziehen, können wir sie natürlich verletzen, weil die Motilität es behindert. Wir haben ja eine propulsive Motilität im Magen-Darm-Trakt, das heißt, da wo der Gegenstand breit ist, da relaxiert sich die Ring- und Längsmuskulatur, was natürlich nicht der Fall ist, wenn wir es durchziehen. Da ist die Verletzungsgefahr viel größer. Aber was bei der Batterie sehr häufig ist – wir sehen das schon, selbst wenn wir extrem schnell sind und das Kind schon zwei Stunden nach Ingestion endoskopieren – dann sehen wir schon schwarz-nekrotische Schleimhaut. Man erschrickt sich da richtig. Der Grund ist, das ist vielleicht auch noch einmal wichtig zu wissen, das ist nicht etwa, dass die Batterie zerstört wird oder dass es giftiges Metall ist, sondern der Grund ist einfach, dass der Strom zu einer chemischen Reaktion führt. Also H2O plus zwei Elektronen (e) ergibt einfach OH plus H2, also plus Wasserstoff. Dieses OH ist eine starke Lauge, sozusagen wie Natronlauge, das ist ja der Rohrreiniger. Diese Lauge macht die Verätzungen. Die macht Verätzungen am negativen Pol der Batterie. Es gibt Leute, die empfehlen x Bildgebungen, um zu gucken, wo der negative Pol liegt. Bei diesen klassischen CR2032-Batterien steht C für das Lithium, das darin ist, und die 20 ist der Durchmesser, 20 mm. 32, das ist die Dicke von 3,2 mm. Das sind die Größenangaben. Und das sind die Batterien, die uns am meisten Sorgen machen. Sie haben einen schmaleren Teil mit etwas weniger Durchmesser, wo nichts draufsteht. Das ist der negative Pol. Meistens sind dann die schweren Verletzungen in der Speiseröhre an diesem negativen Pol.

 

Knopfzelle im Magen eher belassen, aber es kommt drauf an…

Axel Enninger: Jetzt haben wir über die Knopfzelle in der Speiseröhre gesprochen. Wenn die Knopfzelle im Magen ist, ist sie dann weniger gefährlich? Ich meine, Strom fließt doch dann trotzdem. Diese Knopfzelle im Magen, kann ich die denn lassen oder muss ich da auch Gas geben?

Martin Laaß: Ja, extrem guter Punkt. Extrem wichtige Frage und gleichzeitig auch extrem kontrovers diskutierte Frage in der Fachgesellschaft, was man mit den Knopfzellen im Magen macht. Früher haben wir sie alle herausgeholt. Mittlerweile ist es so, dass man sie erst einmal nicht zwingend herausholen muss, es sei denn, es gibt ein paar Voraussetzungen. Also, es muss nicht jede Knopfzelle aus dem Magen raus. Sie ist dort nicht so gefährlich, weil sie sich hin und her bewegt und ist nicht an einer Stelle liegt, und sie drückt sozusagen nicht so. Sie machen auch Verätzungen. Wir endoskopieren ja auch Knopfzellen oder holen manchmal Knopfzellen aus dem Magen heraus und sehen dann, dass da eigentlich immer Schleimhautveränderungen sind. Aber die sind halt nicht nur an einer Stelle und deswegen ist das nicht der Grund. Wann sollte man Knopfzellen aus dem Magen herausholen? Wenn das Kind symptomatisch ist. Da sind sich alle Leitlinien einig. Dann soll man sie immer herausholen. Wenn es ein kleines Kind ist und es ist eine große Knopfzelle, also 20 mm oder größer und das Kind ist unter 5 Jahre alt, dann muss man sich überlegen, ob man das tut. Man muss es aber nicht zwingend tun. Wenn das Kind völlig asymptomatisch ist, kann man auch abwarten. Eine wichtige Frage bei diesen Batterien ist – extrem wichtige Frage: Wie lange ist sie schon im Magen? Was wir nicht wissen ist, ob sie vielleicht vorher schon eine Zeitlang in der Speiseröhre war und dann in den Magen gerutscht ist und dort schon Verätzungen gemacht hat. Deswegen ist die Frage an die Eltern: Was ist der Zeitpunkt oder der angenommene Zeitpunkt? Wenn die Batterie schon über zwölf Stunden dort war oder es hat zwölf Stunden gedauert, ist das so ein Fall, bei kleinen Kindern und diesen großen Batterien, also 20 Millimeter und größer: Da würde man auch reingucken, bzw. sie herausholen. Einfach, um zu schauen, gibt es Verätzungen der Speiseröhre? Weil wir es nicht wissen. Es gibt einzelne, einzelne Todesfälle – das sind immer solche Einzelberichte – dass es auch bei einer Batterie im Magen noch zu schweren Komplikationen gekommen ist.

Axel Enninger: Deswegen ist mir nicht so ganz einleuchtend, warum man, sage ich mal, zumindest diskutiert, dass man die Knopfzelle im Magen belassen kann. Also bei aller Abwägung: Ja, das Risiko ist natürlich viel, viel geringer als das, was sie in der Speiseröhre anrichten kann. Aber nichtsdestotrotz gibt es die Möglichkeit, dass da etwas passiert. Also würde man doch jetzt bei der Knopfzelle im Magen sozusagen die ‚Schwelle zur Endoskopie‘ deutlich niedriger hängen als bei einer gleich großen Münze, oder?

Martin Laaß: Ja, ja, sicherlich. Aber wie gesagt, es gibt diese Voraussetzung. Wenn das Kind asymptomatisch ist, das kann ich aus Erfahrung sagen, dann geht auch diese 20-mm-Knopfzelle bei einem Kind zumindest ab 5 Jahren ganz sicher – oder meistens raus. Meistens heißt entweder nach 2 bis 4 Tagen oder manchmal auch 7 bis 10 Tage. So sind die verschiedenen Empfehlungen der Fachgesellschaften, wie man das Follow-up gestaltet. Worin sich alle einig sind: Man will gucken, dass die Batterie aus dem Magen rausgeht. Die Europäer sind da ein bisschen großzügiger. Die sagen, nach 7 bis 10 Tagen reicht ein Röntgen aus. Die Amerikaner gucken eher nach 2 bis 4 Tagen. Das würde ich abhängig machen vom Kind, von der Größe der Batterie und von der Klinik. Klinik ist ja auch… so ein bisschen Symptome vielleicht… Wenn ich im Zweifel bin, würde ich entweder reingucken oder ich würde auch großzügig nach zwei Tagen röntgen und gucken, wo die Batterie ist.

 

Taschenspielertrick Honig mildert das Durchfressen

Axel Enninger: Dann gibt es ja jetzt so einen neuen, oder halbwegs neuen, Taschenspielertrick, und der heißt Honig. Sag doch mal etwas zu Honig und Knopfzellen.

Martin Laaß: Ja, ja, in Vorbereitung dieses Podcasts überarbeite ich jetzt auch unsere klinikinterne Leitlinie noch einmal, und da kommt jetzt auch Honig mit hinein. Ich habe im Vorfeld kurzfristig mal eine Blitzumfrage gemacht und etwa 30 Zentren in Deutschland, der Schweiz und Österreich gefragt, wie sie das machen bei Batterien. Ob sie diese Empfehlung, das ist eine Empfehlung am Ende dieses Positionspapiers, den Kindern, bevor sie in die Klinik kommen, also schon zuhause – das ist etwas, was die Eltern machen sollen – Honig zu geben. Da kam heraus, dass die meisten oder eigentlich alle davon gehört hatten. Umgesetzt haben es einige und die anderen, die wollen es jetzt noch umsetzen. Also das ist durchaus etwas Neues, was noch nicht Standard ist, aber wofür es einige gute Argumente gibt. Das heißt, man sagt den Eltern, sie sollen, wenn das Kind eine Batterie verschluckt hat oder starker Verdacht besteht, vorausgesetzt wiederum, das Kind kann überhaupt schlucken und vorausgesetzt es ist über zwölf Monate alt, also kein Säugling wegen des Botulismus. Und vorausgesetzt, man hat nicht den Verdacht auf eine Perforation. Wenn es irgendwelche schweren Symptome hat, vielleicht sogar Blut spuckt, dann würde man es nicht machen, aber ansonsten kann man versuchen, dem Kind teelöffelweise Honig zu geben. Da gibt es ganz konkrete Dosierungsempfehlungen: 2 Teelöffel, 10 ml alle 10 Minuten, 6 Mal. Es gibt keine Evidenz für diese Menge oder diesen Abstand. Das Ganze beruht am Ende auf Versuchen an kleinen Ferkeln bzw. an präparierten Speiseröhren von Ferkeln. Wir wollen da jetzt mal nicht ins Detail gehen, was man mit den armen Tieren gemacht hat. Darauf beruht es. In dieser Studie haben sie alle möglichen Substanzen ausprobiert, also etwa 20 Substanzen und dann kam Honig heraus und Sucralfat, was diese schweren Verätzungen und diese Laugen, die machen ja am Ende so eine Koagulationsnekrose. Das haben wir aus dem Studium noch, diese Koagulationsnekrosen durch Säuren und Koagulationsnekrosen, die sich so ‚einfressen‘. Das sind wirklich unangenehme und total tückische Nekrosen. Selbst wenn die Batterie raus ist, kann sich das noch tagelang durch die Schleimhaut, sozusagen‚ hindurchfressen. Das ist die große Befürchtung dabei. Und dieses kann man wahrscheinlich ein bisschen abschwächen mit Honig. Honig hat die Aufgabe, diese Batterie so ein bisschen einzukleiden oder so ein bisschen einzuschmieren.

Axel Enninger: Bleiben wir beim Honig. Sucralfat hat ja wahrscheinlich nicht jeder zu Hause, das heißt, die allerwenigsten werden das zu Hause haben. Und wir schreiben auch das in die Shownotes, diese Gebrauchsanweisung, wie man es mit dem Honig macht. Kriege ich denn nicht Ärger mit dem Anästhesisten, der sagt: ‚Hey, die oberste Regel heißt nüchtern bleiben und ihr sagt auf einmal: ‚füttert Honig‘?‘

Martin Laaß: Ich denke, das ist von der Menge so wenig. Der Anästhesist muss ja ohnehin eine Super Rush Intubation machen. Also insofern denken wir nicht, dass es sehr beeinflusst.

Axel Enninger: So Martin, jetzt haben wir über Honig gesprochen. Es gibt ja unfassbar viel Honig. Ist es wichtig, dass das ein besonderer Honig ist?

Martin Laaß: Ja, das haben die Leute sich auch übrigens gefragt. Da gibt es ganz interessante… Nein, es ist nicht wichtig. Es muss nicht der Bio-Manuka-Honig aus Neuseeland sein zu 35 € pro 100 Gramm. Nein, der muss es nicht sein. Es kann irgendein Honig sein. Man soll auf keinen Fall – insofern ist deine Frage noch mal gut – man kann irgendeinen Haushaltshonig nehmen und auf keinen Fall sollen die Eltern in den nächsten Konsum oder in den nächsten Supermarkt gehen und Honig kaufen. Das ist ganz wichtig. Also nichts von all dem, was wir jetzt gesagt haben zum Honig, darf in irgendeiner Weise verzögern, dass die Eltern in die Klinik kommen. Also es ist viel wichtiger, schnell in die Klinik zu kommen als diese Honig-Geschichte. Also nur irgendein Honig. Ganz kurz zu Sucralfat vielleicht noch, weil das auch so herumgeistert: Das machen bei uns in dieser Society nur ganz wenige. Ich würde es persönlich nicht machen, das ist nicht zugelassen. Das ist für Kinder ja schon kaum zugelassen. Das ist ein Aluminium-Präparat, das man bei Ulkus nimmt. Ich würde so Sucralfat im Moment nicht verwenden, obwohl es da in diesen Leitlinien steht.

 

Zuhause Batteriefächer abkleben, Appell an die Industrie: Kindersicherung

Axel Enninger: Okay, also Sucralfat klammern wir ein bzw. vergessen wir ganz schnell wieder. Und wir Kinder- und Jugendärzte wollen ja immer gerne auch präventiv tätig werden. Und es nervt in der Tat erstens, dass überall diese Knopfzellen drin sind und zweitens, dass man da so leicht drankommt. Das heißt, unser beider Appell ist: Dinge, wo diese Knopfzellen drin sind, also so etwas wie Fernbedienungen, wie alle möglichen anderen elektronischen Geräte, ja auch Kinderspielzeug, wo diese Dinger drin sind: Der dringende Rat, diese Batteriefächer abzukleben und der Rat bzw. der Wunsch an die Industrie: Diese Dinger müssen schwieriger zu öffnen sein. Das wollen wir prophylaktisch unbedingt noch loswerden. Widerspruch von dir oder Zustimmung?

Martin Laaß: Nein, unbedingt, unbedingt. Es gibt ja auch ein Papier unserer Fachgesellschaft von 2019, glaube ich, um diesem Problem überhaupt Aufmerksamkeit zu widmen. Denn diese Ingestionen von Knopfzellen haben massiv zugenommen und auch die Komplikationen dadurch. Das Wichtigste ist einfach die Prävention. Für Spielzeug gibt es schon klare Richtlinien. Knopfzellfächer in Spielzeugen, dürfen nur mit Werkzeug zu öffnen sein. Aber bei der Fernbedienung ist das natürlich nicht so. Der Klassiker ist eine Fernbedienung, die herunterfällt auf den Teppich, die Mutter steht daneben und sieht es, aber der kleine Junge da unten, der grabscht sich die Zelle und steckt sie in den Mund. Solche Fälle haben wir bei uns schon gesehen. Die Kinder, diese Kleinen, sind ja einfach so schnell. Da ist der Rat an die Eltern, wenn man solche Batterien im Haushalt hat: Entweder muss man diese Gegenstände nur mit Werkzeug öffnen können oder ich würde zum Beispiel etwas draufkleben. Ein Tesaband drummachen, so dass es nicht aufgehen kann. Das ist ganz wichtig. Ein anderer Versuch ist übrigens noch, dass die Industrie – aber da weiß ich noch nicht, wie weit das gediehen ist – eine Seite dieser Batterien mit ein bisschen Bitterstoffen versieht, dass die Kinder sie wieder aus dem Mund rausspucken.

Axel Enninger: Ja, und ich glaube, es gibt auch Bemühungen, Folien auf diese Batterien zu machen. Auch da gibt es bei der Industrie, glaube ich, gerade Bemühungen. Also es ist ein echtes Thema.

Martin Laaß: Jetzt auf den negativen Pol sozusagen, dort.

 

Powermagnete können die Darmwand einklemmen

Axel Enninger: Du hast vorhin gerade schon das Stichwort „Spielzeuge“ erwähnt und eins der Spielzeuge, das in den letzten Jahren zunehmend verschenkt wurde und auch zunehmend bei den Kindern beliebt wurde, sind Magnete. Diese Power-Magnete, mit denen man irgendwelche künstlerischen Dinge machen kann, weil die wirklich toll fest aneinander haften. Aber die sind für uns Kinder und Jugendärzte ein echtes Problem. Willst du dazu ein bisschen was sagen?

Martin Laaß: Ja, Magnete, diese Power-Magnete sind unglaublich, haben eine unglaubliche Kraft und das sind kleine Dinger, die kann man ganz leicht verschlucken kann. Die Kinder spielen häufig damit. Das sind dann manchmal eben auch ein bisschen ältere Kinder. Sonst ist ja der Gipfel bei Fremdkörpern bei Ein- bis Zweijährigen. Dann gibt es noch einmal einen Gipfel bei Jugendlichen, die dann eher etwas in suizidaler Absicht machen. Das ist ein Extraproblem. Aber bei diesen Power-Magneten ist ja das große Problem, wenn man mehr als einen verschluckt und das vielleicht noch zu unterschiedlichen Zeiten und sie irgendwo an unterschiedlichen Stellen im Magen-Darm-Trakt sind. Sie haben eine so massive Kraft, dass sie sich aneinanderheften können und was dann an Darmwand dazwischen ist oder an Darmwänden, das ist dann „festgetackert“ und das perforiert dann irgendwann innerhalb von Tagen. Wenn man das nicht weiß oder das nicht bemerkt, solche Fälle gibt ja, dann kann ganz leicht eine Peritonitis entstehen. Also, wir würden Magneten rausholen, außer es ist wirklich ganz, ganz sicher nur ein einzelner Magnet. Aber wenn man irgendwie im Zweifel ist – und das wäre auch wiederum eine Sache, die man schnell macht, weil das Problem ist, wenn der Magnet oder die Magneten aus dem Magen raus sind, dann können wir sie nicht mehr erwischen. Dann muss dann vielleicht irgendwann der Chirurg ran, aber das wollen wir vermeiden. Also das wir wäre auch ‚emergent‘.

Axel Enninger: Ja, großer Vorteil aber, die sind wenigstens röntgendicht.

Martin Laaß: Die sind auf jeden Fall röntgendicht. Da gibt es allerdings auch solch ein Cave wiederum, solch ein ‚Achtung‘. Wir hatten mal von vor ein paar Jahren den Fall, da hatte ein Kind, ich glaube, zehn Magneten geschluckt. So kleine Power-Magneten. Auf dem Röntgenbild war das sozusagen wie eine Stange, die da im Magen steckte. Und da habe ich schon überlegt, ob ich da überhaupt endoskopiere. Wir haben dann aber hineingeguckt und dann stellte sich heraus, fünf von denen waren im Magen und fünf von denen waren im Duodenum und die haben sich sozusagen aneinandergelegt. Du röntgst das ja nicht genau orthograd. Wir haben nicht gesehen, dass Schleimhaut dazwischen war. Also im Zweifel reingucken und rausholen.

Axel Enninger: Blöd ist natürlich auch, wenn sie Magneten verschluckt haben und noch irgendetwas anderes Metallisches. Dann passiert ja der gleiche Effekt. Also diese Power-Magneten…

Martin Laaß: Genau. Es ist egal, ob es zwei Magneten sind oder ein Magnet und etwas Metallisches, das kann ein Magnet und eine Batterie sein, oder Münzen. Die sind ja nicht alle unbedingt magnetisch. Aber ja, ganz wichtiger Punkt.

 

Fischgräten im Zungengrund sind extrem schmerzhaft

Axel Enninger: Fisch essen und an der Fischgräte ersticken. Ist ja auch so ein gern erwähnter, sage ich mal, Notfall. Ehrlich gesagt, ich kann mich nicht so richtig erinnern, dass wir hier in Stuttgart signifikante Fischgrätenprobleme hatten. Das mag auch daran liegen, dass wir hier im Süden tatsächlich nicht so viel Fisch essen, aber Fischgräten sind auch noch ein Sonderfall, oder?

Martin Laaß: Ja, insofern würde ich immer die HNO mit hinzuziehen. Fischgräte hatten wir gerade diese Woche, also wir hatten in den letzten sieben Tagen bei uns in der Klinik einmal ein steckengebliebenes Schnitzel, einmal eine Batterie und einmal eine Fischgräte. Die habe ich ausnahmsweise – sonst will man ja alles selbst machen, wie du weißt – aber die habe ich dann gleich zum HNO-Arzt geschickt, denn Fischgräten spießen sich in den Zungengrund. Da kommt die HNO viel besser dran und sie könnten sich auch, wenn eine Narkose notwendig ist, den weichen Gaumen viel besser aufspannen. Aber in diesem letzten Fall hat der HNO-Arzt mit ein bisschen Lidocain-Lokalanästhesie die Fischgräte einfach aus dem Zungengrund herausgeholt und das Kind ist danach sofort wieder nach Hause gegangen. Genau.

Axel Enninger: Okay, aber Fischgräte tut ja saumäßig weh, oder? Wenn die irgendwo steckt…

Martin Laaß: Jaja, das Kind ist extrem symptomatisch gewesen. Klar.

Axel Enninger: Okay. Und dann hast du vorhin das Schnitzel schon erwähnt und darüber müssen wir ja auch reden. Das ist eine Erfahrung, die wir alle in den letzten Jahren vermehrt machen mussten. Früher war Ösophagus-Nahrungs-Bolus-Impaktion praktisch immer ein Kind, das früher einer Ösophagus-Atresie hatte und in den letzten Jahren haben wir das ja häufiger gesehen, oder?

 

Häufiger als früher: Batterien, Power-Magnete und Boli bei eosinophiler Ösophagitis

Martin Laaß: Ja, in dieser, was ich schon erwähnt habe, dieser kleinen Auswertung, die wir mal gemacht hatten, da haben wir gesehen, dass drei Dinge häufiger geworden sind. Das eine sind diese Batterien, weil es sie einfach vermehrt gibt, das andere sind diese Power-Magneten. Und das Dritte, das wirklich viel häufiger geworden ist, das sind diese Nahrungsmittel-Impaktionen oder diese Nahrungsmittel-Boli. Und der Grund ist tatsächlich die Zunahme dieses Krankheitsbildes, das wir als Kinder-Gastroenterologen mittlerweile extrem gut kennen, die eosinophile Ösophagitis. Die meisten Kinder, bei denen etwas steckenbleibt, haben tatsächlich eine eosinophile Ösophagitis. Und ein Nahrungsmittel-Bolus ist auch etwas, das in diese Kategorie ‚emergent‘ und ‚urgent‘ fällt. Das ist auch noch mal wichtig, denn ganz oft höre ich: ‚Naja, da steckt irgendetwas, das hat ja Zeit, das muss man nicht machen.‘ Nein, wenn irgendetwas wirklich in der Speiseröhre als Nahrungsmittel-Bolus richtig feststeckt und das Kind hat Symptome und das Kind speichelt, dann sagen auch die Leitlinien ganz klar – und wir machen das auch so – das behandeln wir als ‚emergent‘. Die Amerikaner unterscheiden ja zwischen ‚emergent‘, das heißt in 2 Stunden und ‚urgent‘, das ist in 24 Stunden. Wenn das Kind symptomatisch ist, sollte man es so schnell wie möglich herausholen. Wenn das Kind einen Nahrungsmittel-Bolus hat, meinetwegen auch nicht schlucken kann, aber jetzt keine schweren Symptome, dann machen wir es meistens so, dass wir uns ein bisschen mehr Zeit lassen, aber meistens so in den ersten oder nach sechs Stunden holen wir das eigentlich heraus. Die Frage ist, warum ist das eigentlich gefährlich? Es gibt zwei Gefahren. Das eine ist, was man früher als Bolus-Tod bezeichnet hat. Das habe ich persönlich bei uns noch nie gesehen. Aber da ist schon ein bisschen die Gefahr, wenn etwas in der oberen Ösophagus-Enge steckt und dann auf dieses Nervengeflecht im Rachen hinten und im Kehlkopf drückt, kann es zu einer Vagus-Reizung kommen und zu einem Herzstillstand. Das ist eine Gefahr. Und die andere ist, wenn Nahrungsmittel einfach aufquellen, besteht schon eine gewisse Gefahr der Perforation. Wenn das Ganze noch auf Grundlage einer eosinophilen Ösophagitis stattfindet… Das weißt du ja auch, oder das wissen wir: Die Schleimhaut hat ja manchmal auch so schon Einrisse. Genau, also wir würden das zügig herausholen.

Axel Enninger: Okay, und die Klassiker, lass mich da bitte noch kurz fragen, die Klassiker nach unserer Erfahrung – du hast das eher gefragt – aber die Klassiker bei uns wären Fleisch als Nummer 1 und gerne auch so etwas wie Orangen, also faserige Dinge. Gibt es da noch andere Dinge, die besonders häufig steckenbleiben?

Martin Laaß: Eigentlich alles. Fleisch ist tatsächlich relativ häufig, weil es sich eben nicht so schnell auflöst. Und Kinder, die dann nicht in Ruhe… Oftmals essen Kinder in Unruhe, Kinder wollen ja immer schnell wieder zum Spielen. Sie wollen nicht lange am Essenstisch sitzen und kauen dann oftmals die Sachen nicht richtig. Das sind oft Dinge, die nicht gut gekaut sind. Aber wir haben auch schon alles Mögliche gesehen, von Weintrauben oder Apfelstückchen oder Melone. Also, es gibt eigentlich alles.

Axel Enninger: Und jetzt, für uns Kinder-Gastroenterologen ist es selbstverständlich, dass wir dann, wenn wir etwas aus der Speiseröhre herausgeholt haben, den Ösophagus auch biopsieren, weil wir natürlich wissen, dass die eosinophile Ösophagitis eine Prädisposition dafür darstellt. In der ein oder anderen Klinik endoskopieren aber Internisten oder andere Fachdisziplinen. Da ist es wichtig, dass man es mit ihnen abspricht und dran denkt. Es ist blöd, wenn einem diese diagnostische Möglichkeit durch die Lappen geht, oder?

Martin Laaß: Ja, absolut. Machen wir routinemäßig, dass wir dann eine Stufenbiopsie machen, also von unten, Mitte und oben. Manchmal siehst du es auch schon so. Da siehst du diese typischen Veränderungen mit Quer- und Längsrillen.

Axel Enninger: Okay, also das ist vielleicht wichtig für all diejenigen, die in einer Klinik arbeiten, wo keine Kinder-Gastroenterologen sind, dass man es mit den Fachdisziplinen, die einem bei der Endoskopie aushelfen, auch bespricht. Und anamnestisch ist nochmal wichtig – für diejenigen, die das Thema eosinophile Ösophagitis noch nicht so regelmäßig gehört haben – die Kinder fallen häufig vorher dadurch auf, dass sie sehr lange bei ihren Mahlzeiten brauchen, dass die sehr, sehr lange kauen und dass sie oft zwischendurch trinken und dass die Eltern mit diesen Symptomen zum Kinder- und Jugendarzt oder zum Kinder-Gastroenterologen kommen. Da muss man hellhörig werden. Das ist hoch-verdächtig auf eine eosinophile Ösophagitis.

Martin Laaß: Ja, das ist ein guter Punkt. Es stellt sich im Nachhinein oft heraus, dass sie schon immer mal ein bisschen, genau, nachtrinken mussten und so weiter. Genau wie du sagst.

Axel Enninger: Martin, wir kommen zum Ende unseres Gesprächs und es gibt eine gute Tradition in diesem Podcast. Und die Tradition lautet: Du darfst zwei oder auch drei Dinge sagen, die du unbedingt positiv loswerden möchtest, also Dos und auch welche, die du unbedingt loswerden möchtest ‚Bitte machen Sie es nicht, bitte lassen Sie es sein!‘, oder ich nerve mich ewig, dass das und das noch gemacht wird. Du darfst loslegen und die Reihenfolge bleibt dir überlassen.

 

Nicht erbrechen lassen – Münzen gehen lassen – nicht unnötig röntgen

Martin Laaß: Okay, also die Don’ts. Ein ganz Allgemeines. Das ist für die Eltern auch ganz wichtig: Kinder mit Fremdkörperingestion nicht erbrechen lassen! Es war früher so, dass man dann versucht hat, den Finger in Mund zu stecken oder irgendwelche Salzlösung zu trinken zu geben. Also nicht erbrechen lassen! Das ist wichtig. Da macht man mehr Schaden als Nutzen! Das Zweite, das man nicht machen sollte, ist, alle Münzen aus dem Magen zu holen. Münzen gehen in der Regel fast immer durch. Ja, es sei denn, es ist eine 1-Penny-Münze aus einer bestimmten Zeit aus Amerika mit einem Zinkgehalt, aber darüber wollen wir jetzt nicht reden. Und als Drittes, was mir, meiner Klinik und unseren Kinder-Radiologen sehr am Herzen liegt, ist, unnötig viel Strahlenbelastung zu vermeiden, unnötige Röntgenaufnahmen. CT wirklich im Ausnahmefall, wenn ich etwas Lebensbedrohliches habe oder eine Komplikation, eine schwere, dann kann ich darüber nachdenken, aber nicht als Routine CTs machen. Breischluck zum Beispiel hat für mich auch sehr wenig Aussagewert. Wenn ich da nichts sehe, muss ich ohnehin reingucken. Oder auch sehr häufige serielle Röntgenaufnahmen, um zu gucken, ob ein Gegenstand heraus ist. Lieber den Stuhl röntgen, das machen unsere Röntgenleute extrem gern. Oder einfach den Topf ins Röntgen bringen oder halt die Windeln sammeln. Wir machen das manchmal. Wir sagen den Eltern, sie sollen eine große Mülltüte nehmen, die Windeln da alle reinschmeißen, dann bringen sie die vorbei und die röntgen wir dann. Wir haben wirklich tatsächlich schon öfter dann die Klemme oder irgendetwas dort drin gesehen. Eltern finden erstaunlicherweise sehr häufig die Fremdkörper nicht im Stuhl, frag mich nicht, warum. Das sind die Don’ts.

 

Bei Batterien so schnell wie möglich in die Klinik – verändertes Essverhalten könnte an einem Fremdkörper liegen – auch andere Körperöffnungen prüfen

Martin Laaß: Und jetzt die Dos. Also das Wichtigste ist, bei Batterien dran zu denken: Das ist ein Notfall. Die Kinder sollen so schnell wie möglich in die Klinik und wenn es in der Speiseröhre ist, die Batterie so schnell wie möglich herausholen. Was mir auch noch wichtig ist, und wir haben diesen Fall bei uns tatsächlich öfter in der Klinik gehabt, dass Kinder, die aus irgendwelchen Gründen plötzlich nicht mehr gegessen haben wie vorher, plötzlich nur noch getrunken haben und die Eltern wissen nicht… sie haben nie etwas beobachtet… dass wir im Zweifel daran denken, da kann ein Fremdkörper sein! Wir haben öfter tatsächlich schon Batterien in der Speiseröhre gesehen, von denen keiner etwas gewusst hat. Die Klinik ist hier extrem wichtig und dass man daran denkt, wenn Kinder plötzlich andere Ernährungsgewohnheiten haben oder nicht mehr so essen wie vorher. Und vielleicht noch ein Drittes, Wichtiges, dass man auch daran denkt, Kinder können sich woanders etwas reingesteckt haben. Wir gucken ja, wir machen immer ein Röntgenbild und die Eltern sagen uns: ‚Ja, er hat da etwas verschluckt‘, und dann finden wir es nicht. Ich denke, das ist ein wichtiger Punkt. Man muss auch in die Ohren gucken und man muss auch in die Nase gucken. Ich denk da immer an diese Dr.-House-Folge. Ich weiß nicht, ob du das mal gesehen hast, wo da ein kleiner Junge ist und Dr. House zieht dann einen Feuerwehrmann aus der Nase und dann zieht er noch ein Feuerwehrauto hinterher. Der Vater sagt dann etwas wie: ‚Na ja, das ist ja ein dummes Kind!‘, und dann sagt House: ‚Naja, Intelligenz kommt von den Genen‘, zieht dann zum Schluss noch eine Katze heraus und er sagt: ‚Ihr Kind ist doch eigentlich sehr intelligent. Er hat den Feuerwehrmann hinterhergesteckt, um diese Katze wieder rauszuholen.‘ Nee, aber dieser Punkt, den mache ich vielleicht auch zu selten: Wenn wir den Fremdkörper nicht finden, auch in die anderen Körperöffnungen schauen!

Axel Enninger: Martin, vielen, vielen Dank. Es hat Spaß gemacht, sich mit dir zu unterhalten und ich glaube, wir haben die wichtigen Punkte bei dem Thema verschluckte und vielleicht auch nicht nur verschluckte, sondern auch in die Nase gesteckte Fremdkörper besprochen. Vielen herzlichen Dank! Und Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, danke ich fürs Zuhören, für Ihr Interesse. Sie können, wie schon erwähnt, die wesentlichen Punkte und auch die Leitlinien und die Handlungsempfehlungen und auch das Thema „Honig“ in den Shownotes noch einmal nachlesen. Wenn Sie noch kein Abonnent sind, sollten Sie es unbedingt werden. Und wenn es Ihnen gefallen hat, freuen wir uns über eine positive Bewertung. Vielen Dank fürs Zuhören!

Sprecherin: Das war consilium, der Pädiatrie-Podcast. Vielen Dank, dass Sie reingehört haben. Wir hoffen, es hat Ihnen gefallen und dass Sie das nächste Mal wieder dabei sind. Bitte bewerten Sie diesen Podcast und vor allem empfehlen Sie ihn Ihren Kollegen. Schreiben Sie uns gerne bei Anmerkung und Rückmeldung an die E-Mail-Adresse consilium@infectopharm.com. Die E-Mail-Adresse finden Sie auch noch in den Shownotes. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge!

Ihr Team von InfectoPharm