Durchfall

Von Durchfall spricht man generell, wenn ein Kind zu flüssig, zu häufig (mehr als drei Stühle pro Tag) und zu viel ausscheidet. Dies kann von Blässe, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Fieber und einem schlechten Allgemeinbefinden begleitet sein. Akuter Durchfall liegt bei plötzlichem Auftreten und einer Dauer von mehr als drei Tagen vor.

Liebe Eltern,

Sie besuchen diese Seite, da Ihr Kind wahrscheinlich gerade akut Durchfall hat oder hatte.

Akute Durchfälle treten vor allem in den ersten drei Lebensjahren sehr häufig auf, durchschnittlich bis zu dreimal im Jahr. Für Babys und Kleinkinder können diese gefährlich sein, vor allem bei starken Durchfällen in Kombination mit Erbrechen. Dies kann unter Umständen einen Krankenhausaufenthalt nötig machen.

Mit diesem Patienten-Ratgeber möchten wir Ihnen einige Tipps geben, wie Sie Ihrem Kind bei akutem Durchfall helfen können und welche vorbeugenden Maßnahmen ein wiederholtes Auftreten verhindern.

Von Durchfall spricht man generell, wenn ein Kind zu flüssig, zu häufig (mehr als drei Stühle pro Tag) und zu viel ausscheidet. Dies kann von Blässe, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Fieber und einem schlechten Allgemeinbefinden begleitet sein.

Akuter Durchfall liegt bei plötzlichem Auftreten und einer Dauer von mehr als drei Tagen vor.

Übertragen wird Durchfall meistens durch den Handkontakt mit erkrankten Personen, durch verunreinigte Schnuller oder durch Lebensmittel, die krankmachende Viren oder Bakterien enthalten.

Säuglinge können nur durch Schreien zeigen, dass es ihnen nicht gut geht
Babys können nur durch Schreien zeigen, dass es ihnen nicht gut geht

Welche Auslöser für Durchfall gibt es?

  • Im Baby- und Kleinkindalter entsteht Durchfall zu über 50 % durch Viren, vor allem durch Rotaviren.
  • Diese werden durch Schmierinfektionen übertragen, können Ihr Kind aber auch durch infizierte Lebensmittel anstecken.
  • Zudem kommen auch Bakterien als Auslöser infrage; hier ist die Aufnahme der Bakterienmenge für die Krankheitsentstehung entscheidend.

Wann müssen Sie mit Ihrem Kind zum Arzt?

Bei Durchfall und zusätzlich blutigem Stuhlgang oder Fieber sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, da es sich um eine ernstere Erkrankung handeln könnte, die es zunächst auszuschließen gilt. Sollte Ihr Kind trotz großer Flüssigkeitsverluste das Trinken verweigern oder wiederholt erbrechen, ist auch in diesen Fällen ein Arzt zu Rate zu ziehen.

Eigentlich ist Durchfall eine normale Abwehrreaktion des Körpers, um die Auslöser (meist Viren oder Bakterien) schnell auszuscheiden.

Diese schädigen die Darmschleimhaut bzw. die Darmflora entweder direkt oder durch die Bildung von Giftstoffen, sodass der Körper mit einem verstärkten Abtransport des Darminhaltes beginnt.

Wasser und Salze werden dadurch nicht mehr in den Körper aufgenommen und übermäßig ausgeschieden.

Um das Blutvolumen bei großem Flüssigkeitsverlust konstant zu halten, wird dem Körper Wasser entzogen, was außerhalb des Blutkreislaufs zur Abnahme des Flüssigkeitshaushalts und letztlich zur Dehydrierung (Austrocknung) des Körpers führen kann.

Ist Durchfall gefährlich?

Durch die erhöhte Ausscheidung sowie den Flüssigkeits- und Salzverlust kann es vor allem bei Babies und Kleinkindern zu einer kritischen Austrocknung des Körpers kommen.

Jedes zehnte Kind wird aufgrund von zu geringem oder fehlendem Flüssigkeitsausgleich in die Klinik eingewiesen, wo die Flüssigkeitszufuhr gegebenenfalls per Infusion erfolgt.

Die intravenöse Infusion stellt die schnellste Möglichkeit dar, den durch Durchfall erzeugten Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Im Notfall kann sie für Ihr Baby lebensrettend sein.

Im Falle des Falles ist viel trinken alles!

Als erste Maßnahme sollte der Flüssigkeits- und Salzverlust ausgeglichen werden.

Am besten sind hierzu Elektrolytlösungen geeignet, die neben einer optimalen Salzzusammensetzung (Natriumchlorid, Natriumcitrat, Kaliumchlorid) auch Glucose enthalten.

Bei milder Dehydration sollten Kinder 50 ml/kg Körpergewicht in 6 Stunden trinken. Jeder zusätzliche Verlust, z. B. durch Stuhl, ist ebenfalls zu ersetzen (10 ml/kg Körpergewicht pro Stuhlgang).

  • Neben der Gabe von Elektrolytlösungen gilt: Gestillte Kinder sollten weiter gestillt werden.

Nicht gestillte Babys sollten die Milchnahrung zunächst verdünnt (1 Teil Milchnahrung und 2 Teile Wasser) erhalten, anschließend kann die Verdünnungnach nach und nach reduziert werden. Daneben kann bei Bedarf Wasser oder Tee (Kamillen oder Fencheltee) gegeben werden.

Bei Kleinkindern und älteren Kindern sollten nach dem Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes altersgerechte Nahrungsmittel gegeben werden. Dazu eignen sich z. B. Reis, Bananen und Kartoffeln.

Kinder sollten aber nicht zum Essen gezwungen werden, da der Appetit nach Abklingen der Beschwerden in aller Regel von selbst zurückkehrt.

Baby trinkt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Wie sind Elektrolytlösungen anzuwenden?

Es ist ratsam, die Lösung, je nach Vorlieben des Kindes, gekühlt oder bei Raumtemperatur mit einem Löffel oder einer Spritze in kleinen Mengen zu verabreichen, z. B. einen Teelöffel alle 1–2 Minuten.

Das Volumen kann gesteigert und die Abstände können vergrößert werden, wenn Ihr Kind die Flüssigkeit ohne Erbrechen toleriert.

Durch die Schädigung der Darmschleimhaut und der Darmflora benötigt der Körper Ihres Kindes Zeit, um den „Normalzustand“ wiederherzustellen. Diesen Vorgang können Sie durch den Verzehr von Bakterienkulturen unterstützen.

Welche Empfehlungen gibt es?

Besonders gut geeignet ist hierfür Lactobacillus rhamnosus GG (LGG). Durch die Gabe dieses Milchsäurebakteriums kann sich die Darmschleimhaut erholen. Der Durchfall bessert sich dadurch schneller als bei der alleinigen Gabe von Flüssigkeit und Elektrolyten.

Stillen ist das Beste für Ihr Kind
Stillen ist das Beste für Ihr Kind

Die Wirksamkeit von Lactobacillus rhamnosus GG wurde in verschiedenen Studien belegt:

Die Viren werden schneller ausgeschieden, wodurch sich die Beschwerden bessern und sich die Durchfalldauer halbiert.

Dies kann besonders bei Babys und Kleinkindern helfen, da bei ihnen die Darmschleimhaut und die natürliche Barriere gegen Erreger noch nicht vollständig ausgebildet sind.

Was bedeutet probiotisch?

Als Probiotika werden Bakterienstämme bezeichnet, die die Magen-Darm-Passage überleben und sich im Darm ansiedeln können. Dadurch können sie mit der Schleimhaut interagieren und die Aufnahme von Nährstoffen unterstützen. Folglich tragen sie zur gesunden Versorgung des Darms bei.

Mit entspanntem Bäuchlein kann Ihr Kind wieder lachen
Mit entspanntem Bäuchlein kann Ihr Kind wieder lachen

 

Ja, es gibt noch weitere Bakterienstämme, wie zum Beispiel E.coli, deren Wirksamkeit allerdings bis heute noch nicht so gut dokumentiert wurde wie die von LGG. Weiterhin werden gelegentlich Hefen, wie Saccharomyces, empfohlen. Die Datenlage zur Wirksamkeit ist allerdings auch hier begrenzt.

Ist die Gabe von Medikamenten ratsam?

Für Babys ab drei Monaten kann ein verschreibungspflichtiger Enzymhemmstoff eingesetzt werden. Der Wirkstoff vermindert die Flüssigkeits- und Salzabgabe in den Darm und dickt dadurch den Stuhl ein.

Allerdings gibt es für diesen Wirkstoff bis jetzt noch keine firmenunabhängigen Studien und keine Belege für die Wirksamkeit bei Babys unter drei Monaten. Auch die Gabe von Kohletabletten ist möglich. Durch ihre unglaublich große Oberfläche bindet die medizinische Kohle Bakterien an sich und transportiert sie aus dem Körper heraus. Die medizinische Kohle wird dabei selbst nicht vom Körper aufgenommen. Für Kinder werden 3- bis 4-mal täglich 1–2 Tabletten empfohlen, die mit reichlich Flüssigkeit aufgeschwemmt werden müssen und dem Kind dann in kleinen Schlucken gegeben werden. Da Kohle zu erhöhten Salzausscheidungen führen kann, sollten die Tabletten bei wiederholter Gabe am besten in Elektrolytlösungen aufgeschlämmt werden.

Ihr Kind sollte möglichst bald wieder wie gewohnt ernährt werden
Ihr Kind sollte möglichst bald wieder wie gewohnt ernährt werden

Ist eine Diät sinnvoll?

Eine strenge Diät ist bei Durchfall nicht erforderlich, da die Kinder möglichst schnell wieder normal essen sollten. Trotzdem sollte darauf geachtet werden, dass die Nahrung nicht zu fett, zu süß oder zu scharf ist, da dies den Verdauungstrakt reizen kann.

Mittel, die Übelkeit hemmen, sollten gemieden werden, da sie oft müde machen und häufig zu Trinkunlust führen.

Wirkstoffe aus der Gruppe der Opioide sollten bei Kleinkindern nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingesetzt werden. Sie sind nicht für jede Art von Durchfall geeignet, da sie die Darmbewegungen hemmen und somit die Ausscheidung von Bakterien verhindern können.

Was ist dran am Mythos Cola und Salzstangen?

Häufig wird bei größeren Kindern die „Ernährung“ mit Salzstangen und Cola empfohlen.

Sie entspricht allerdings nicht den Bedürfnissen Ihres Kindes. Das Koffein der Cola regt die Nieren an und beschleunigt somit die  Wasserausscheidung. Die Folge ist eine Verschlimmerung des Durchfalls. Durch den hohen Zuckeranteil in Cola (und auch in anderen Limonaden) kann dieser Effekt noch verstärkt werden.

Zudem haben diese „Hausmittel“ keine Wirksamkeit gegen die krankmachenden Auslöser.

Der optimale Ausgleich kann nur mit dem richtigen Verhältnis von Salz, Zucker und Wasser erfolgen, wie es in apothekenüblichen Elektrolytlösungen zu finden ist.

Welche Maßnahmen sind sinnvoll?

Durch das Stillen können Sie Ihr Kind generell vor Infektionen wie auch vor Durchfall schützen.

Durchfallerreger werden meist durch kontaminierte Hände, Lebensmittel oder Gebrauchsgegenstände übertragen. Folglich kann eine gute Hygiene in Ihrem Haushalt zur Vermeidung von Krankheiten beitragen.

Die wichtigste Maßnahme ist das regelmäßige Händewaschen, besonders vor dem Essen, nach dem Toilettengang und auch nach dem Kontakt mit kontaminierten Gegenständen (z. B. Windeln).

Auch sollten mögliche gefährdende Orte (wie die Toilette und der Wickeltisch) regelmäßig gründlich gereinigt oder desinfiziert werden.

Weiterhin ist es wichtig, Schnuller, Sauger und Flaschen regelmäßig abzukochen, um vorhandene Erreger abzutöten.

Salzstangen ermöglichen keinen optimalen Salzausgleich
Salzstangen ermöglichen keinen
optimalen Salzausgleich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit
Durch die richtige Hygiene können Krankheiten in vielen Fällen vermieden werden.

Schützen Sie Ihr Kind durch eine Impfung

Als vorbeugende Maßnahme gibt es in Deutschland Schluckimpfungen, die bereits ab der 6. Lebenswoche gegeben werden können und einen Schutz vor Rotaviren darstellen.

Dabei beträgt die Schutzrate nach Studien mindestens 85 %, wobei schwere Dehydratation zu 100 % vermieden wird.

Glücklich ohne Durchfall
Glücklich ohne Durchfall

 

  • Durchfall ist ein übermäßiges Auftreten von Stuhlgang in breiiger oder flüssiger Form
  • Durchfälle treten bei Kindern sehr häufig auf
  • Säuglinge und Kleinkinder sind besonders gefährdet, da ihr Körper die Erreger schlechter abwehren kann
  • Vor allem treten Durchfälle durch Rotaviren auf, die häufig durch Personen oder Gegenstände übertragen werden
  • Sie können Ihr Kind aktiv durch gute Hygiene und eine Impfung schützen
  • Besonders wichtig im Akutfall ist das Verhindern der Austrocknung Ihres Kindes, da jedes 10. Kind mit Durchfall genau aus diesem Grund ins Krankenhaus eingewiesen werden muss
  • Die Gabe von LGG kann die Durchfalldauer reduzieren

Fazit
Durch den Einsatz verschiedener Mittel kann die Dauer und die Symptomatik des Durchfalls erheblich verkürzt werden. Schützen Sie Ihr Kind durch die Gabe von Elektrolytlösungen vor der Dehydrierung. Um die Durchfallzeit zu verkürzen, können Sie Ihrem Kind zusätzlich Probiotika wie Lactobacillus rhamnosus GG verabreichen. Und vergessen Sie bei einer Erkrankung bitte nicht, besondere Hygienemaßnahmen zu ergreifen, damit es nicht zu einer Weiterverbreitung der Erreger kommt.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesem Patienten-Ratgeber hilfreiche Tipps geben konnten, wie Sie Ihrem Kind bei akutem Durchfall helfen können.

Falls Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Arzt oder Apotheker.

 

 

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