Ohrenentzündung

Bei der Otitis externa handelt es sich um eine Entzündung des äußeren Gehörgangs. Dabei kann das Trommelfell mit betroffen sein, muss aber nicht. In einigen Fällen können auch beide Ohren gleichzeitig entzündet sein.

Liebe Patienten, liebe Eltern,

Sie oder Ihr Kind leiden an einer Otitis externa, also einer Entzündung des äußeren Gehörgangs – oder haben häufig gereizte Ohren zum Beispiel durch längeren Wasserkontakt beim Schwimmen oder Tauchen.

Otitis externa ist eine häufige Erkrankung, an der durchschnittlich jeder 10. Mensch im Laufe seines Lebens einmal erkrankt. Am häufigsten betroffen sind Kinder zwischen 5 und 14 Jahren sowie Erwachsene ab 45 Jahren.

Da eine Otitis externa häufig nach dem Baden, Schwimmen oder Tauchen auftritt, bezeichnet man sie auch als „Schwimmbad-Otitis“ oder „Bade-Otitis“.

Wir möchten Ihnen mit diesem Patienten-Ratgeber hilfreiche Informationen über die Otitis externa zur Verfügung stellen. Sie erhalten wichtige Tipps, wie Sie sich oder Ihrem Kind helfen und mit welchen Maßnahmen Sie einem wiederholten Auftreten der Erkrankung vorbeugen können.

Der äußere Gehörgang ist ca. 3,5 cm lang und endet vor dem Trommelfell. Somit dient er unter anderem dem Schutz des Trommelfells vor äußeren Einflüssen oder Beschädigungen.

Im vorderen Teil des Gehörgangs befinden sich feine Härchen und Ohrenschmalzdrüsen. Die Haare verhindern das Eindringen von Fremdstoffen aus der Umgebung. Das Ohrenschmalz hat ebenfalls wichtige Schutzfunktionen: Es dient der Selbstreinigung des Gehörgangs und transportiert Schmutz nach außen. Außerdem ist es leicht sauer, wodurch das Wachstum von Bakterien und Pilzen gehemmt wird.

Was ist eine Otitis externa?

Bei der Otitis externa handelt es sich um eine Entzündung des äußeren Gehörgangs.

Dabei kann das Trommelfell mit betroffen sein, muss aber nicht. In einigen Fällen können auch beide Ohren gleichzeitig entzündet sein.

Für Betroffene ist die Otitis externa meist sehr schmerzhaft, da es sich um eine akute Entzündung handelt. Allerdings lässt sich die Krankheit bei frühzeitigem Erkennen gut behandeln und heilt in den allermeisten Fällen ohne Folgen aus.

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Aufbau des Ohres


Ist eine Otitis externa eine Mittelohrentzündung?

Im Gegensatz zur Otitis externa ist bei der Otitis media („Mittelohrentzündung“) das Mittelohr der Ort der Erkrankung. Vor allem Kinder leiden häufig unter einer Otitis media, im Erwachsenenalter tritt die Otitis media nur sehr selten auf.

Da die Beschwerden bei beiden Krankheiten ähnlich sein können, empfiehlt es sich immer, einen Arzt aufzusuchen, um die richtige Therapie einzuleiten.

Eine Otitis externa tritt am häufigsten im Sommer auf. In den allermeisten Fällen sind Bakterien der Auslöser. Die Erreger lieben eine warme und feuchte Umgebung, da diese ein ideales Wachstum ermöglicht.

Wasser, das z. B. beim Schwimmen ins Ohr eindringt, fördert eine solche feuchte Umgebung. Zudem kann das Wasser den Säureschutzmantel der Haut im Ohr stören, was das Wachstum der Erreger weiter fördert.

Dementsprechend sind aktive Schwimmer von einer Otitis externa fünfmal häufiger betroffen als die restliche Bevölkerung. Besonders in ungechlorten Gewässern befinden sich Bakterien, die die Erkrankung verursachen können.

Auch die Behinderung des Ohrenschmalz-Abflusses begünstigt eine feuchte Umgebung und somit eine Entstehung der Otitis externa. Dies ist beispielsweise bei regelmäßigem Tragen von Ohrenstöpseln, In-Ohr-Kopfhörern oder Hörgeräten der Fall.

Das Reinigen des Gehörgangs mit Wattestäbchen kann die Entstehung einer Otitis externa ebenfalls begünstigen. Hierdurch werden die feinen Härchen beschädigt und die natürliche Selbstreinigung des Ohres gestört. Das Ohr trocknet aus, der Säureschutz geht verloren.

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Schwimmen und Tauchen ist die Hauptursache für eine Otitis externa

 

Anfänglich zeigt sich die Otitis externa meist durch einen starken Juckreiz. Kurze Zeit später treten Ohrenschmerzen auf. Diese werden beim Essen durch Kaubewegungen verstärkt. Zieht man am Ohrläppchen, verstärkt dies ebenfalls oft die Schmerzen.

Aus dem Ohr kann Flüssigkeit austreten. Auch kann das Ohr durch die Entzündung gerötet und geschwollen sein. Dies kann das Hörvermögen vorübergehend beeinträchtigen.

Seltener treten auch eine Schwellung der Lymphknoten im Bereich des Halses oder eine erhöhte Körpertemperatur auf.

Nach Abklingen der Otitis externa verschwinden die Beschwerden normalerweise wieder.

Eine plötzlich auftretende Otitis externa heilt nur in ca. 15 % der Fälle ohne Therapie ab.

Daher ist – auch aufgrund der Schmerzen – eine Behandlung ratsam.

In jedem Fall empfiehlt sich eine gründliche Reinigung des Ohres. Diese sollte durch den HNO-Arzt durchgeführt werden, da sonst Verletzungen entstehen können, die die Erkrankung verschlimmern.

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Vor allem das Ziehen am Ohr führt zur Verstärkung der Schmerzen

Welche Medikamente sind ratsam?

Da meist Bakterien Auslöser der Otitis externa sind, werden zur Behandlung oft antibakterielle Ohrentropfen eingesetzt. Die Ohrentropfen oder -salbe haben den Vorteil, dass sie direkt vor Ort wirken. Die Einnahme von Antibiotika kann somit oftmals vermieden werden.

Bei starker Entzündung des Gehörgangs kann durch die Gabe von Ohrentropfen oder -salbe mit einer Kombination von Antibiotikum und Kortison zusätzlich eine Linderung der Entzündung und somit der Schmerzen erreicht werden.

Ihr Arzt weiß am besten, was für Sie oder Ihr Kind in dieser Situation die effektivste Behandlung ist. Er wird Ihnen ein geeignetes Arzneimittel verschreiben. Ihr Arzt ist natürlich auch der richtige Ansprechpartner bei Fragen oder Unklarheiten!

Wie wende ich Ohrentropfen richtig an?

Um die Anwendung von Ohrentropfen so angenehm wie möglich zu machen, empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

1. Erwärmen Sie die Tropfen für einige Minuten in der Hand.

2. Sie oder Ihr Kind sollten sich auf die Seite legen, sodass das Ohr, in das die Tropfen gegeben werden sollen, nach oben zeigt.

3. Dann wird die entsprechende Anzahl an Tropfen ins Ohr gegeben.

4. Die Ohrmuschel sollte anschließend etwas bewegt werden und Sie oder Ihr Kind sollten weitere 5 Minuten liegen bleiben, damit sich die Tropfen im Ohr verteilen können.

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Antibiotische Ohrentropfen werden bei Otitis externa oft verordnet

Wie wende ich Ohrensalben richtig an?

Um die Anwendung von Ohrentropfen so angenehm wie möglich zu machen, empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

1. Um dem Auftreten von Schwindel vorzubeugen, sollten Sie Ohrensalben, wie auch Ohrentropfen, vor der Anwendung am Gehörgang in der Hand etwas anwärmen.

2. Geben Sie eine kleine Menge der Ohrensalbe auf einen Finger und bringen Sie die Salbe so direkt in das Ohr ein.
Auf Ohrenstäbchen sollte hierbei unbedingt verzichtet werden, um eine Schädigung des Trommelfells zu vermeiden.

 

Besonderheiten bei der Anwendung von Salben und Tropfen:

Bei Tropfen kann es sein, dass der HNO-Arzt einen Otowick oder eine Gehörgangstamponade einlegt. Bei Ohrensalben kann es sein, dass der Arzt einen mit Salbe getränkten Gazestreifen in den Gehörgang einlegt. Beide Fälle führen zu einer
längeren Wirkstoffverfügbarkeit und unterstützen dadurch den Abheilungsprozess des betroffenen Gewebes.


Welche Möglichkeiten zur Unterstützung der Behandlung gibt es noch?

Während der Behandlung sollten Sie das betroffene Ohr besonders gut trocken halten. Dies kann zum Beispiel erreicht werden, indem die Haare nicht beim Baden oder Duschen, sondern separat gewaschen werden.

Anschließend sollten die Ohren gut getrocknet werden, um restliches Wasser zu entfernen. Das ist mit einem Fön auf niedrigster Stufe möglich.

Auch sollte während der Behandlung auf den Besuch von Schwimmbädern oder Badeseen verzichtet werden.

Da das Kauen von Nahrung meist schmerzhaft ist, können weiche Speisen, wie Suppen, die Nahrungsaufnahme erleichtern.

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Beim Schwimmen sollten die Ohren möglichst trocken gehalten werden

 

Das Baden und Tauchen in ungechlorten Gewässern birgt ein höheres Risiko an einer Otitis externa zu erkranken und sollte möglichst vermieden werden.

Speziell zum Baden gibt es Ohrenstöpsel mit einem wasserdichten Überzug, die das Eindringen von Flüssigkeiten verhindern. Alternativ kann eine Dusch- oder Badehaube getragen werden.

Falls dennoch Wasser in die Ohren gelangt, sollten diese möglichst bald gründlich getrocknet werden.

Die Reinigung der Ohren mit Wattestäbchen sollte unterlassen werden, da das Risiko von Verletzungen besteht. Vorbeugend kann jedoch eine regelmäßige Ohrreinigung durch Ihren HNO-Arzt sinnvoll sein.

Auf den regelmäßigen Gebrauch von In-Ohr-Kopfhörern sollte verzichtet werden. Besser geeignet sind Kopfhörer, die sich außerhalb der Ohren befinden.

Auch kann mit Ihrem Arzt besprochen werden, ob eine vorbeugende Behandlung sinnvoll ist. Vor allem bei Schwimmern und Tauchern kann die regelmäßige Anwendung von Ohrentropfen mit saurem pH-Wert helfen, die natürliche saure Umgebung im Gehörgang aufrechtzuerhalten.

  • Otitis externa ist eine Entzündung des äußeren Gehörgangs

  • Häufigste Ursache ist der Schwimmbad- bzw. Badeseebesuch

  • Erkennbar ist die Erkrankung meist an den Ohrenschmerzen, die durch Ziehen am Ohrläppchen verstärkt werden

  • Sie sollten bei den ersten Beschwerden einen Arzt aufsuchen, da er der beste Ansprechpartner für die Behandlung ist

  • Eine Therapie erfolgt häufig mit antibiotischen Ohrentropfen

  • Während der Behandlung (und auch vorbeugend) sollten Sie die Ohren trocken halten bzw. nach dem Duschen/Baden gut abtrocknen

  • Es sollte auf den Gebrauch von Wattestäbchen zur Reinigung des Gehörgangs verzichtet werden

Otitis externa ist eine häufige Erkrankung, die durch frühzeitige und gezielte Behandlung meist folgenlos ausheilt.

Zudem lässt sich ein wiederholtes Auftreten der Erkrankung durch die richtigen vorbeugenden Maßnahmen effektiv vermeiden.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesem Patienten-Ratgeber hilfreiche Tipps geben konnten, wie Sie für sich und Ihre Angehörigen bei Otitis externa die richtigen Maßnahmen ergreifen und einem erneuten Auftreten der Erkrankung vorbeugen können.

Falls Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Arzt oder Apotheker.

 

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